Es ist der 31.12.2020. Ich sitze abends mit meiner 10-jährigen Tochter am Essenstisch und wir fragen uns, wie wohl Silvester im „Coronajahr“ wird. Da gute Gedanken meist in Bewegung kommen und wegen Corona es viele Ausgangsbeschränkungen gab, hatten wir uns einen allabendlichen Spaziergang als Routine angewöhnt. Während des Spazierens im Dunkeln erzähle ich ihr von der Wim Hof Methode (mit meiner Tochter redete ich schon immer offen über meine MS* und auch das, was ich als lebenswert empfinde) und das ich es gern ab morgen ausprobieren möchte.

„Was?“ fragte sie. „Morgens kalt duschen und dann noch barfuß rausgehen?“
„Genau!“ meinte ich. „Ich möchte gern ausprobieren, was das mit mir macht und Du kannst mir dabei helfen.“

Das klang spannend für Sophia und so startete ich am nächsten Tag mit kalt duschen. Das hatte ich schon früher öfter gemacht und daher war es eher eine Wiederentdeckung dessen, was mir schon Freude gemacht hatte, vor allen Dingen das aktivierende Gefühl danach; allerdings in Vergessenheit bei mir geraten war. Mit der Zeit wollte Sophia auch öfter kalt nassgespritzt werden und so hatten wir beide unseren Spaß. Doch das mit dem Barfußlaufen war eine wirkliche Herausforderung während des Winters für mich. Vor allen Dingen, weil im Januar bei uns viel Schnee lag. Ich startete mit 1 Minute, steigerte es täglich. Es war eine größere Überwindung, doch ich versuchte mich ganz auf die Verbundenheit mit Mutter Erde zu konzentrieren und konnte so spüren, dass es mir gut tat. Also machte ich jetzt unsere Spaziergänge so lange barfuß, wie ich es gut aushalten konnte. Da Sophia mir die Hand hielt und immer, wenn ich dachte, es sei mir zu kalt, fest meine Hand drückte, merkte ich, wie ich es immer länger schaffte. Aus den 3 Min. wurden 5 Min. aus den 5 Min. schnell 10 Min. Am Tag 10 schaffte ich es schon eine Viertelstunde und es entwickelte sich eine wirklich lustige Dynamik. Wenn immer ich meinte, ich möchte meine Schuhe wieder anziehen, sagte Sophia: „Komm Mama, noch 1 bis 2 Min. länger wirst Du doch schaffen! Ich halte auch Deine Hand ganz fest.“ Und es entwickelte sich folgendes Spiel: Sophia drückte in einem bestimmten Rhythmus meine Hand fester und ich sollte erraten, ähnlich wie beim Morsealphabet, was es denn wohl heißen könnte. Das war echt witzig und lies mich vergessen, dass meine Füße schon wirklich sehr kalt waren. Dann kam der 24. Januar, mit wunderschönem Sonnenschein trotz Schnee. Die Kinder rodelten und ich war mir ganz sicher, dass ich dieses Mal 1h schaffen würde und es war ein herrliches Gefühl, dass zu erleben, dass genau das auch klappte!

Vor allen Dingen, als ich dann in die warme Wohnung kam und die Füße so herrlich prickelten.
Dann packte mich der Ehrgeiz!

Ich wollte spüren, ob das noch einmal so lang ging und ich danach weiterhin Lust hatte, es wieder zu tun. Mittlerweile war es auch gar nicht mehr eine große Überwindung, sondern das barfuß Loslaufen fast schon eine tägliche Routine (und nur die Frage, wie lange ich es an diesem Tag als noch angenehm empfinden würde).

Am Sonntag, den 31. Januar, hatten wir wieder viel Schnee, ich machte einen Nachmittagsspaziergang mit einem guten Bekannten, wieder eine einstündige Runde und es war schon fast „normal“ für mich geworden, barfuß loszulaufen. Ich freute mich sehr, bis zum Ende des Spaziergangs den Schnee/Boden so direkt an meinen Füßen spüren zu können.

Doch das ganz besondere für mich war der Flowzustand, indem ich mich danach befunden habe. Ich hatte das dringende Bedürfnis, etwas aufzuschreiben. Schon öfter in meinem Leben habe ich in entscheidenden Momenten Lust gehabt, in Gedichtform mich auszudrücken und so auch dieses Mal.

 

Barfuß im Schnee

Barfuß im Schnee,
ich fühle mich danach leicht wie eine Fee.

Die Kälte lässt meine Neuronen wild durcheinander schießen,
können dadurch wieder meine Gedanken freier fließen.

Ich fühle mich mehr mit der Mutter Erde verbunden,
habe ich doch einige Schwierigkeiten durch diese Abhärtung schon fast überwunden.

Mein Geist öffnet sich dem großen, unendlichen Potenzial,
ich spüre die Wärme am Hals durch einen selbstgestrickten Schal.

Energie, sie ist immer da, verwandelt sich nur,
selbst wenn ich sterbe, bleiben Eindrücke von mir zurück.
Doch frage ich mich, welche deutliche Spur,
kann ich durch mein SEIN und mein TUN in dieser Welt hinterlassen,
denn bevor ich geh‘, möchte ich ein Stück,
dieses Planeten gerettet haben,
so dass die Generation nach uns nicht alles Schöne sieht lediglich verblassen.

Doch die allergrößte Schönheit, sie erkennt man nur,
wenn man sich öffnet der unendlichen Vielfalt von Mutter Natur.
Wo alles so einfach, ganz pur,
vor sich hin gedeiht und nichts braucht eine Schönheitskur.

Ich wünsche mir, wir könnten auf den sogenannten „Luxus“ verzichten,
würde sehr vieles an Aufgaben, Industrieherstellung etc. wegfallen und das Chaos lichten.
Es gibt so viel‘ unnütze Dinge zu entscheiden,
bei denen wir eine Weile verweilen,
statt uns auf das Wesentliche zu konzentrieren
und das ist, unsere Menschen um uns herum zu LIEBEN!!!

 

*MS steht neuerdings für mich für Manifestation des Schönen, Manifestation des Stimmigen oder auch des Speziellen. Ausschlaggebend für diese Umdeutung ist eine Übung während meiner Hypnoseausbildung System 23 im März 2021 bei Alexander Hartmann.

Dr. Sandra Linke
Kontakt E-Mail:  sandra.linke@icieworld.net
Webseite: http://www.sandra-linke.net/

Schreibe einen Kommentar

liebevoll.jetzt