Meine Befreiungsgeschichte vom Schmerz: Durch wiederentdeckte Lernfreude zu mehr Selbstfürsorge

Schmerz Befreiungsgeschichte Krystian Manthey

Ich war etwa 14 Jahre alt, als Rückenschmerzen mich erstmals aus dem unbeschwerten Alltag rissen – trotz fast täglichen Sports. Der darauf folgende Ärzte- und Therapiemarathon blieb – wie leider bei so vielen Menschen – ergebnislos. Über die Jahre verschlimmerten sich meine Schmerzen, breiteten sich vom Nacken bis zum Knie aus, und sie wurden chronisch. Im Alter von etwa 20 Jahren konnte ich keine 500 Meter mehr joggen, ohne unerträgliche Schmerzen zu bekommen. Die meisten sportlichen Hobbys musste ich aufgeben.  

Heute – etwa 10 Jahre später – habe ich zwar immer noch Beckenschiefstand, Skoliose, Morbus Scheuermann etc., aber ich bin weitestgehend schmerzfrei. Um zu verstehen, wie mir das gelungen ist, reicht es nicht, über Bewegung und Ernährung zu sprechen. Die Lösung für mich war sehr viel tiefliegender. Denn alles begann mit der Wiederentdeckung meiner verloren gegangenen Freude am Lernen, Entdecken und Gestalten. 

Wie Lernfrust krank macht 

Die meisten Kindergartenkinder freuen sich wie wahnsinnig auf die Schule. Auch ich war hellauf begeistert bei der Schuleinführung, endlich zu den Großen zu gehören und immer selbstständiger werden zu können.  

Diese anfängliche Begeisterung löste sich jedoch recht schnell in Luft auf: Ich sollte schöner schreiben, also musste ich alles doppelt und dreifach zu Papier bringen. Die Erklärung für die mir aufgezwungene Mehrarbeit: „Übung macht den Meister.“ Nur wollte ich kein Schönschreibmeister werden, Blumennamen im Schulgarten auswendig lernen oder besonders sorgfältig Mandalas ausmalen. Viel lieber widmete ich mich schweren Mathe-Rätseln oder machte mit anderen Sport. 

Das Resultat: Ich hatte null Bock mehr auf die meisten Fächer. Und auch meine allgemeine Freude am Lernen nahm rapide ab. Aber zum Glück war nach dem Grundschul-Unterricht immer noch genügend Zeit, um mit Freunden aus Weidenästen Bögen zu bauen oder im Maisfeld verstecken zu spielen – kurz gesagt: Um die Welt und meine eigenen Interessen mit spielerischer Freude zu entdecken.  

Auf dem Gymnasium schließlich wurde meine Entdecker- und Gestaltungsfreude endgültig auf Bonsai-Größe eingestampft. Hausaufgaben machte ich – wenn überhaupt – im Schulbus oder schrieb sie ab, um mich nicht jeden Nachmittag zu „langweiligem Scheiß“ zwingen zu müssen. Außerdem wurde ich gemobbt, weil ich schnell rot wurde und weil ich den jugendlichen Hahnenkampf der Jungs um den Titel „Wer ist der Coolste?“ nicht mitmachen wollte. 

lernlust.jetzt Initiative

Rückblickend könnte man sich fragen, warum meine Eltern trotz einer 4 in Deutsch auf dem Grundschulzeugnis so sehr für meine Empfehlung fürs Gymnasium gekämpft haben. Na ja, wie alle gutmeinenden Eltern wollten auch meine, dass „aus mir was wird.“ Aus mir wurde dann auch recht schnell etwas: ein verunsicherter, ängstlicher Junge mit krummer Haltung und mit Angst vorm statt Lust aufs Leben.  

Ich wurde zum Objekt … durch die Bewertungen und Belehrungen von Lehrern, durch die Erwartungen meiner Familie und „der Gesellschaft“. Dieser Verlust meiner Würde und diese Lieblosigkeit um mich herum machte mich letztlich krank. Die Last, die ich mit mir herumtrug, verkörperte sich letztlich als Schmerz im Rücken.  

Und wer denkt, das sei esoterisches Geschwurbel: Es gibt mittlerweile etliche Studien, die beispielsweise durch Hirnscans zeigen, dass seelischer Schmerz genauso weh tut wie physischer. Das ergibt auch Sinn, da wir Menschen seit Anbeginn der Zeit voneinander abhängig sind. Wir sind Herdentiere. Soziale Isolation bedeutet Lebensgefahr.  

Aus Leid wird Leidenschaft 

Mein Leben entwickelte sich entsprechend der Erwartungen und Ziele Dritter. Ich wurde zu einem – übertrieben formuliert – willenlosen Pflichterfüller, der sein Glück als artiger Konsument beim Shopping mit einem Kontostand immer nahe des Dispos suchte.  

Der Höhepunkt meiner bis dahin freudlosen Laufbahn war der Studienabbruch im letzten Semester. Da stand ich nun, ohne Job, ohne Abschluss und mit quälenden Rückenschmerzen.  

Mein großes Glück: Zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen starken Anker in meinem Leben. Statt mit Druck, Erwartungen oder Androhungen begegnete mir meine Freundin mit Vertrauen, Zuspruch, Optimismus und bedingungsloser Liebe. Ich fühlte mich endlich frei und stark genug, das zu tun, was mir wirklich am Herzen liegt und Freude bereitet.  

18 Monate, dutzende Bücher und einige Weiterbildungen später hatte ich eine Festanstellung im Bereich Marketing und Medizinredaktion und habe mir so viel Wissen angeeignet (und vor allem gemerkt) wie in der ganzen Bildungslaufbahn zuvor nicht. Ich hatte die Freude am Lernen, Entdecken und Gestalten wiedergefunden. Der Druck in mir wurde zunehmend weniger und durch die berufliche und private Auseinandersetzung mit dem Thema Gesundheit schaffte ich es letztlich auch, die Ursachen meiner Schmerzen in den Griff zu bekommen. Und trotz 4 in Deutsch habe ich nun eine Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt und sogar ein Buch verfasst.

Details zum Thema Schmerzen (und mit welchen Methoden ich sie überwunden habe) findest du in diesem Artikel von mir. Allen, die selbst unter Schmerzen oder einer anderen Volkskrankheit wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder anderen Beschwerden leiden, könnte mein Buch „Wa(h)re Gesundheit: Der Gesundheitskompass im Therapie-Dschungel“ mit einem Vorwort von Gerald Hüther hilfreich sein.

Gesundheit und Lebensfreude funktionieren nicht ohne ein liebevolles Miteinander 

Was also hat mir letztlich geholfen? 

Das Sprengen meiner gedanklichen Fesseln durch meine liebevolle Freundin und die dadurch wiederentdeckte Freude am Lernen, Gestalten und Entdecken haben mir es ermöglicht, aus meinem Leiden eine Leidenschaft zu erwecken und wieder liebevoller mit mir selbst umzugehen (und damit Alarmsignale meines Körpers besser zu verstehen und etwas dagegen unternehmen zu können). 

Damit es erst gar nicht so weit kommt, müssen wir alles dafür tun, dass in unseren Schulen kein Kind mehr die ihm angeborene Freude am Lernen verliert. Wir brauchen ein liebevolleres Miteinander. Deshalb unterstütze ich die Initiative LernLust.JETZT!, die sich genau dafür einsetzt. Mehr Infos unter www.lernlust.jetzt 

Gerald Huether über LernLust.JETZT

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Antworten

  1. Lieber Krystian,
    auch ich erkenne mich wieder in dem, was Du schreibst. Mit 14 Jahren hatte ich einen Unfall, dessen Folgen dazu führten, dass ich mit Mitte 20 nicht wusste, wie ich sitzen, stehen oder liegen soll ohne Schmerz. Es war der Schmerz meiner Seele, welcher sich notwendiger Weise in meinem Körper ausgedrückt hatte, ausdrücken musste.
    Heute, mit fast 50 Jahren, bin ich fast wieder in meinem Zentrum angelangt. Vor allem aber bin ich schmerzfrei. Ich freue mich, dass es Dir wesentlich früher gelungen ist!
    Meinen Weg habe auch ich zu meinem Beruf gemacht. Ich nenne es die Kunst der Selbstheilung, denn letztendlich können nur wir selbst uns wieder mit unserer Lebenskreativität verbinden. Mit Hilfe und Unterstützung von außen, dennoch in unserer eigenen Verantwortung. Es geht darum, die eigene Schöpferkraft täglich und immer wieder neu auszuagieren und damit unser authentisches Sein auszudrücken.
    Wie schön, dass es Dir gelingt und Du sogar ein Buch als Hilfestellung für andere Menschen geschrieben hast!
    Alles Gute und herzliche Grüße
    Heike

  2. Lieber Krystian,
    mir scheint als hättest du (fast) meine Lebensgeschichte geschrieben. Danke.
    Vielleicht wäre es sinnvoll mal über die SchulPFLICHT, richtig muss es natürlich heißen: SchulanwesenheitsPFLICHT, nachzudenken. Die Schulanwesenheitspflicht (Präsenzpflicht) wurde übrigens nicht 1919 sondern 1038 eingeführt. Und die Lehrkräfte waren/sind STAATSdiener aber nicht Volks- oder Schülerdiener. Könnte man ja mal hinterfragen.
    Sonnige Grüße

  3. Lieber Krystian,
    herzlichen Dank für Deinen berührenden Beitrag und Deinen Einblick in einen Teil Deiner Lebensgeschichte.

    Mit Blick auf mein eigenes Leben, kann ich Dich nur beglückwünschen zu Deinem Buch, denn das Teilen über diese Ausdrucksform liegt auch mir im Blut und ist so eine wundervolle Möglichkeiten anderen Menschen etwas mitzugeben. Eine Ausdruck von Nächstenliebe mit den Erfahrungen der Selbstliebe. Zauberhaft.

    Ich wünsche Dir noch ein wunderschönes Wochenende.

    Herzliche Grüße,
    Alice

    PS. Seit ein paar Jahren lebe ich bewusst tagtäglich einen liebevollen Lebensweg und im Rahmen dessen habe ich es geschafft eine Schilddrüsenunterfunktion loszuwerden und ohne irgendwelche Medikamente im Leben zurecht zu kommen. Die Medizin meines Lebens ist die Selbstliebe, Nächstenliebe und heilende Kräuter bei Bedarf. Mittlerweile gehe ich ins vierte Jahr ohne Erkältung und finde das wundervoll. 😊