Mir selbst zu vertrauen heißt, mich zu lieben

Ich war ein Mensch mit zu vielen Gedanken im Kopf und zu wenig Gespür. Mich nicht zu spüren bedeutete, mir und meinen Gefühlen nicht zu vertrauen, sie zu verdrängen und alleine dem Kopf die Macht über mein Leben zu geben. Dies zu erkennen, war eine harte Nuss. Heute weiß ich, es war gut, um zu spüren und zu erkennen, wie es ist, wenn der Kopf alleine regiert. Ich habe gespürt, aber das Gefühl nicht wahrgenommen. Alles eine Frage des Blickwinkels. Ich habe gelernt, meinen Gefühlen und meiner inneren Welt Beachtung zu schenken. Nicht immer leicht, ehrlich gesagt – da gibt’s ja auch noch die unangenehmen Dinge, die da plötzlich uneingeladen auftauchen und auch gefühlt werden wollen. Dann dachte ich das eine oder andere Mal: Hätte ich bloß nicht mit diesem Gefühlskram angefangen! Selbstzweifel – und schon war es vorbei mit dem Fühlen. Mit der Zeit habe ich dank vieler Impulse von außen gelernt, auch diese – und besonders diese – uneingeladenen Gedanken und Gefühle da sein zu lassen, um sie dann sein zu lassen. Sein zu lassen ohne Urteil darüber, ob sie gut oder schlecht sind. Ich habe gelernt, sie sogar zu suchen und einzuladen. Ich habe gelernt zu erkennen, dass sie keine Bedrohung darstellen und nicht nur „Aufwand“ sind. Sie sind ein Geschenk: Teile meiner Selbst, die da einfach auftauchen, ohne nach ihnen zu suchen. Heute ist es (meist) ein Einfaches, sie wahrzunehmen, sein zu lassen und das Geschenk zu erkennen. Früher hätte ich mir nie erlaubt zu sagen, was ich fühle, was in mir da auftaucht. Heute weiß ich, es ist ein Geschenk, mir zu erlauben, mein Inneres mit meinem Gegenüber zu teilen. Es heißt für mich, meinem Inneren so stark zu vertrauen, so stark an mich zu glauben, es so zu lieben, dass es selbst den Mut aufbringt, nach außen in die Welt getragen zu werden, durch mich. Besonders stark erlebte ich dies im Herbst 2020. Scheinbar legten sich in diesem Jahr dunkle Wolken über die Welt, die ich nicht so wahrnahm. Mein Inneres hat mich derart mit schönen Geschichten überrascht, mit Ideen der Selbstreflexion und neuen Blickwinkeln. So entschloss ich mich, die Sonne, den Regen und Wind aus meinem Inneren auch für andere Menschen strahlen zu lassen. Ich brachte den Mut auf, mein tiefstes Inneres nach außen zu tragen. Zuerst in Form von FB-Artikeln und dann als Buch. Dieses Nachaußengehen brauchte noch eine Portion Selbstvertrauen und Liebe zu mir. Vertrauen, dass alles, was in mir ist, richtig ist. Dass nichts an dem, was ich denke oder fühle, falsch ist. Dass dieses Vertrauen in mich und meine innere Wahrnehmung unverletzlich macht. Weil es das Einzige ist, was zählt: Mich selbst zu lieben, egal ob dunkle Wolken am Himmel erscheinen, es regnet oder die Sonne strahlt.

Karoline Hinterreither

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Antworten

  1. Liebe Karoline,
    dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Es scheint aber, als wenn ich noch Meilensteine von deinem Erreichten entfernt bin. Ich war es bisher gewohnt, dass Dinge, die ich aus-oder ansprach, bei meinem Gegenüber nicht sehr gut ankamen. Es scheint, als wenn ich noch nicht genügend Vertrauen in mich und meine Meinung oder Gefühle habe. Der Weg von der Kopfkontrolle zu dem Vertrauen, dass alles kommt, wie es kommen soll, ist sooo schwierig. Hast du Tipps für mich, wie du das gut geschafft hast? LG