Sich dem Fluss des Lebens anvertrauen

Fluss des Lebens

Es ist nun beinahe zwei Jahre her, dass ich von einem Tag auf den anderen meiner Arbeit als selbstständige Sprachtrainerin nicht mehr nachgehen konnte. Und bis heute habe ich keinen Weg gefunden, in einer Form als Lehrerin tätig zu sein, die ich für mich selbst und meine Schüler akzeptieren kann. Diese Situation hat eine spannende Wende in mein Leben gebracht. An dem Tag, als ich erkannte, dass mir der vertraute Boden unter den Füßen weggezogen wurde, entschied ich, nur noch das zu tun, was sich wirklich gut anfühlt. Ohne Kompromisse. Seither habe ich kein genügendes Einkommen mehr und weiß nie, wie es im nächsten Monat weitergeht. Allerdings habe ich auch ein klares inneres Nein dazu, regelmäßige staatliche Hilfen zu beanspruchen. Das fühlt sich einfach nicht gut an. Ich möchte meine Selbstständigkeit behalten.

Wie ich diese zwei Jahre überstanden habe? – Ja, das frage ich mich auch. Und ich staune, wenn ich zurückblicke und mir bewusst wird, wie lange ich schon so lebe. Möglich war das, weil ich von so vielen Seiten in irgendeiner Form unterstützt wurde und mir so viele überraschende Ereignisse weiterhalfen, die mir oft genug wie kleine Wunder erschienen. Möglich ist das, weil ich mich dafür entschieden habe, mich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen. Er trägt mich. Ich staune immer wieder, aber ja, er trägt mich! Und je mehr Zeit vergeht, desto tiefer wird mein Vertrauen.

Ich fühle mich getragen, weil ich keine bestimmten Pläne mehr mache und keine bestimmten Ziele anvisiere. Vielmehr schaue ich, was auf mich zukommt und entscheide dann, ob ich mich auf etwas einlasse oder nicht. Und wie oft geschieht dann im richtigen (manchmal auch im letzten) Moment genau das, was es braucht, damit ich einen guten Schritt weitergehen kann. Oft passieren Dinge oder lösen sich „Probleme“ auf so überraschende Art und Weise – das hätte ich mir selbst gar nicht ausdenken oder einplanen können.

Wenn mir dabei etwas im Wege steht oder Schwierigkeiten macht, dann sind es vor allem meine eigenen unliebsamen Gedanken, meine Zweifel an mir selbst, oder die Sorge, dass es ja „nicht ewig so weitergehen kann“. Zum Glück habe ich inzwischen gelernt, solche Gedanken nicht mehr wirklich ernst zu nehmen. Denn der Fluss des Lebens wird wohl kaum versiegen, warum also nicht einfach weiter vertrauen?

Ich ernte immer mal wieder Kopfschütteln, sorgenvolle Blicke und Fragen wie: Warum machst du es dir so schwer? – Dazu kann ich nur sagen: Mein Leben hat sich noch nie so richtig angefühlt, auch wenn es definitiv eine Herausforderung ist! Ich war mir selbst noch nie so nah. Und es bringt mich dazu, möglichst bewusst in der Gegenwart zu bleiben, denn über die Zukunft nachzudenken, ist mir einfach zu ungemütlich. Stattdessen gebe ich mir den Raum, die Zeit und die Freiheit, das zu tun, was mir Freude macht oder was sich einfach gerade wichtig und richtig anfühlt, ganz unabhängig davon, ob ich damit Geld verdiene oder nicht. Und wenn ich wirklich den Moment lebe, stelle ich fest: Es geht mir gut! Trotz allem … Und ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen darf.

Stephanie

www.your-humandesign.com

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Antworten

  1. Liebe Stephani, deine Geschichte hat mich sehr berührt. Ich habe seit einer persönlichen Erfahrung (homöopathische Verreibung eines Teils des Mutterkuchens nach der Geburt meiner Tochter) lernen dürfen, dass immer für mich gesorgt wird. Wie ein Baby im Mutterleib, dass auch versorgt ist. Ich habe seit dem ein Urvertrauen ins Leben und glaube fest, dass ich keine Existenzsorgen haben muss.
    Für mich fühlt sich dein Weg gut und richtig an. Habe Vertrauen in Dich und das Leben!
    Liebevolle Grüße
    Michaela

  2. Liebe Stephanie, herzlichen Dank für deinen Beitrag!
    Es ist so wohltuend zu lesen, dass es noch weitere Menschen gibt, deren Lernaufgabe es im Moment zu sein scheint, sich “dem Fluss des Lebens anzuvertrauen”. Aus der Angst ins Vertrauen zu gehen. Vielleicht eine der größten Herausforderungen in der derzeitigen Lage. Herzliche Grüße und alles Gute für Dich! Bleib flexibel in deiner Standhaftigkeit! Oder standhaft in deiner Flexibilität.;-) Ulrike

  3. Wundervoll, liebe Stephanie, ich erkenne in Deinen Gedanken viel wieder, was mich begleitet hat. Ich bin übrigens im 8. Jahr und wundere mich jeden Tag aufs Neue, wie Leicht das Leben sein kann, wenn man aus dem Hamster-Rad aussteigt.
    Viel Glück und Liebe auf Deinem Weg,
    Roland

    1. Danke, für deine Nachricht, lieber Roland. Im 8. Jahr, wow, das ist irgendwie beruhigend, dass es wirklich so weitergehen kann, so leicht, meine ich. Auch Dir viel Glück, Freude und Leichtigkeit auf Deinem Weg! Stephanie

  4. liebe Stephanie,
    das , was du spürst hast, das was du dar gestellt hast, was du im Wörter gefasst hast , erlebe ich erst seit zwei Monaten. Das ist wundervoll, ausgezeichnet und pure Ruhe . jetzt kann mich ich diesem Weg besser bewegen. Danke für dein Teilen. Ich fülle mich auch getragen. Du spricht mir auch aus der Seele.

    1. Vielen Dank für Eure Kommentare. Ich freue mich wirklich, dass es auch andere Menschen gibt, die sich dem Leben anvertrauen und damit schöne Erfahrungen machen. Zwar vertieft sich mein Vertrauen stetig, je länger ich so lebe, aber irgendwie ist es doch beruhigend zu sehen, dass es wirklich funktioniert, nicht nur gerade jetzt bei mir, sondern auf Dauer und auch bei anderen. Denn ich will auf keinen Fall in irgendein Hamsterrrad zurück. Viel Glück und alles Gute, herzlich, Stephanie

      1. Liebe Stephanie, ich habe Deinen Beitrag gelesen, weil ich heute mit der Frage eingestiegen bin, was mein Vertrauen stärkt und es wachsen lässt. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das jemand sagen kann. Manchmal habe ich Vertrauen, manchmal spüre ich es auch viel weniger und eigentlich habe ich noch nicht herausgefunden, woran das liegt. Klar ist – die ERFAHRUNG lässt das Vertrauen wachsen, also die Menge an guten Erfahrungen, die ich gemacht habe, helfen mir zu glauben, dass ich auch weiterhin so viel Glück haben werde wie bisher.
        Hast Du einen Gedanken zum VERTRAUEN?
        Ich muss hier auch kurz sagen, dass ich seit 27 Jahren in einem Beruf selbstständig und sehr erfolgreich bin, den ich mit Leidenschaft liebe. Ich bin sehr glücklich beim Arbeiten.
        Dennoch ist es manchmal schwer, damit auch aufzuhören, eine Grenze zu setzen und es (im wörtlichen Sinn) “gut sein zu lassen”.
        Herzliche Grüße
        Karin

        1. Liebe Karin, danke für Deine Nachricht! Ich stimme Dir zu, Vertrauen ist etwas, was wachsen will. Ich habe das Gefühl, dass mich das Leben durch entsprechende Erfahrungen, die ich machen durfte, auf diese Lebensphase gut vorbereitet hat. Und meine Erfahrung ist – es braucht immer wieder eine bewusste Entscheidung, sich darauf einzulassen. Mein Vertrauen fühlt sich auch nicht immer gleich stabil an, aber je länger diese seltame Lebensphase dauert und je mehr ich erkenne, wie wertvoll es ist, dem Leben zu vertrauen, desto weniger komme ich ernsthaft ins Wanken. Und so fällt mir die Entscheidung, weiter zu vertrauen, auch immer leichter. Und das, obwohl ich nicht mehr erfolgreich bin, weil ich meiner Arbeit wie früher nicht mehr nachgehen kann. Ich befinde mich immer noch auf Neuland, suche immer noch nach einem neuen Weg und lasse mich jeden Tag von Neuem überraschen.
          Ich wünsche Dir alles Gute auf deinem Weg und ein schönes Osterfest. Herzliche Grüße,
          Stephanie

          1. Liebe Stephanie,
            danke für Deine Worte. Ja, Vertrauen ist vielleicht eines der Dinge, die wir Menschen immer nur für eine Weile haben und immer wieder neu suchen und finden müssen. Meine Erfahrungen lehren mich auch zu vertrauen.
            Erfolg ist auch etwas so extrem Subjektives. Wenn ich beim TUN große Freude habe, ist es dann ein Erfolg auch wenn das Endergebnis nicht gelungen wirkt? Wenn mich eine Tätigkeit stresst, ich aber bei anderen gut ankommen damit, ist es dann erfolgreich?
            Ich habe letzte Woche zwei Rezepte ausprobiert, die beide beim ersten Mal misslungen sind, beim zweiten Mal geglückt. DAS hat sich sehr erfolgreich angefühlt.
            Beim Vertrauen habe ich übrigens in letzter Zeit auch herausgefunden, dass es für mich ein “wem” oder “was” braucht. Vertrauen allein zu haben ist für mich überfordernd. Jemandem oder auf etwas zu vertrauen, das ist möglich. Ich bin mir (noch) nicht sicher, was es bedeutet “dem Leben” zu vertrauen. Eventuell brauche ich da etwas, das sich mehr wie “jemand” anfühlt. Ich komme ja vom Märchenerzählen, wo abstrakte Begriffe oft als Personen auftauchen (Frau Glück, Gevatter Tod, …usw,.) und das entspricht mir sehr.
            Dir auch alles Gute
            Karin