Wie mein Sohn mich Achtsamkeit lehrte

Den Begriff Achtsamkeit kenne ich eigentlich schon sehr lange. Schon in meiner Jugend hatte mein Vater Bücher über Achtsamkeit in seinem Regal. Damals, als der Begriff noch nicht in aller Munde war. Er liebte Bücher und kaufte sich Bücher zu allen möglichen Themen. Er schaffte es gar nicht, sie alle zu lesen. Dabei war er immer stolz darauf, den Trends voraus zu sein und tatsächlich hatte er ein Gespür dafür. Viele der Themen, für die er sich interessierte, wurden später immer beliebter und waren dann auch in den Mainstream- und populärwissenschaftlichen Medien zu finden. Ich kenne also den Begriff Achtsamkeit. Doch was ist das eigentlich? In den letzten zwei Jahren beschäftigte ich mich viel mit diesem Begriff. Ich meditierte, machte Atem- und Achtsamkeitsübungen. Das half mir sehr bei der Bewältigung meines Alltags und bei der Entspannung. Doch noch immer blieb die Frage: Was ist das eigentlich, Achtsamkeit?

Eines Tages lagen mein Sohn und ich auf der Couch. Es ging uns nicht so gut, wir waren ein bisschen erkältet. Wir schauten einfach aus dem Fenster. Dann fragte mein Sohn mich, was das am Himmel für zwei Streifen seien? Ich erklärte ihm, dass wohl vor Kurzem zwei Flugzeuge dort entlang geflogen sein müssen und dass das ihr Auspuff sei. Er fragte, was denn jetzt damit passierte, ob das nun Wolken werden. Wir schauten einfach in den Himmel und beobachteten, wie sich die Streifen langsam auflösten. Zwischendurch flog eine Wespe an unser Fenster. Wir unterhielten uns über Wespen. Und dann wusste ich es: Das ist Achtsamkeit. Wir waren voll und ganz in diesem Moment, schauten in den Himmel und vergaßen die Zeit. Keine Ahnung, wie lange wir in den Himmel geschaut hatten. Dann sah ich auf mein Handy. Dreiviertel zwölf, es ist Zeit, meine Tochter aus der Schule abzuholen. Unglaublich dankbar für diesen Moment ziehen wir uns an und fahren los.

Maria Brandenburg

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Antworten

  1. Liebe Maria!
    Vielen Dank, dass du diesen Moment mit uns teilst! Kinder sind hervorragende Lehrer in der Achtsamkeit, denn man muss ihnen das überhaupt nicht beibringen, sie sind mit ihren Gefühlen immer im jetzt. Und oft ist das im durchgetakteten Alltag für Eltern eine Herausforderung, wenn das Kind dann Sschuhe anziehen soll, aber lieber in aller Seelenruhe die Schnürsenkel der Schuhe zu Buchstaben legt, weil der eine Schnürsenkel zufällig wie ein s aussah, als er so dalag. Wenn wir Kindern die Momente schenken, auch mal Langeweile zu empfinden – direkt danach! Kommt die Achtsamkeit! Etwas faszinierendes entdeckt und schon können Kinder stundenlang Seifenblasen machen, ihnen beim Platzen zusehen, und wenn sie weg sind, machen sie neue.
    Kinder ruhen in sich, und wenn wir uns Zeit nehmen, ihnen ohne Bewerten zuzuschauen, können wir ganz viel staunen – und dann sind wir im Jetzt!
    Ich wünsche dir viele weitere solcher Momente! Liebste Grüße und alles Gute!