Meine ersten Gehversuche bei Liebevoll.jetzt

Hallo, ihr Lieben! 

Hier sitzt ein menschliches Wesen vor dem Computer, im Alter von 67 Jahren, das sich gerne etwas miteinbringen würde bei liebevoll.de. Leider bin ich, was die Kommunikation im Internet betrifft, ein Greenhorn. So haben die Indianer Leute genannt, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hatten. Bei Karl May habe ich das als Kind schon gelesen. War echt interessant.

Ich habe auch keinen blassen Schimmer von den sozialen Medien. Ich war noch nie in meinem Leben auf Facebook oder ähnlichen Seiten. Das kenne ich nur aus Erzählungen meiner Kinder und Enkelkinder. Also, wie ihr seht, muss ich da noch einiges dazulernen. Ja, aber ich bin seit meiner Kindheit eben ein neugieriges Bürschchen.

In einer Familie mit sechs Kindern war Teilen lernen eine notwendige Tugend. Das galt für Liebe, aber auch für Erziehungszeit. Aus heutiger Sicht war für Letzteres ein Sechstel völlig ausreichend. Ersteres hätte ruhig mehr sein dürfen. Meine Eltern hatten eine kleine Bäckerei und waren also sehr damit beschäftigt, uns die Grundbedürfnisse des Lebens sicherzustellen. Das wurde mir schon sehr bald bewusst. Letztendlich waren sie froh, wenn wir die uns zugeteilten Arbeiten und Pflichten erledigt hatten und am Abend zum Gebetläuten wieder beim Abendbrot am Tisch versammelt waren. Da gab es viel Freiraum zum Spielen und Träumen.

Aus heutiger Sicht war das wohl das größte Geschenk, das mir meine Eltern mit ins Leben gaben. Ob ihnen das damals bewusst war, kann ich nicht sagen.

Heute ist ein ganz besonderer Tag für mich. Ich öffne mein Herz nach draußen, hin zu euch. Es war schon ein Prozess, der etwas Zeit brauchte. Aber was nützt alle Erfahrung und Wissen, wenn es bei dir in deinen vier Wänden bleibt. Nichts! Es ist Zeit für die Aussaat.

In mir arbeitet eine Kraft, die wie ein geteerter Same ist. Zwischen Bordsteinkante und Bürgersteig noch verharrend, in kalten Tagen des Winters – und doch so voller Leben. Einfach nicht aufzuhalten, wenn die Zeit gekommen ist, um sich zu entfalten und neues Leben zu generieren.

Alles, was ich hier von mir gebe, ist rein subjektive Wahrnehmung und entspricht keiner Wahrheit.

Jetzt sitze ich da und versuche etwas in Buchstabenform auszudrücken und stelle fest: Hättest du wohl doch besser aufpassen sollen beim Deutschunterricht in der Schule. Aber es war so schön, nur dazusitzen und aus dem Fenster zu sehen und vom Nachmittag und den vor mir liegenden Abenteuern zu träumen. Unsere Lehrerin Frau H. hatte es nicht leicht mit mir. Zu meiner Schulzeit gab es noch die körperliche Züchtigung. Hat aber auch nichts gebracht bei mir. Ich will aber hier gleich darauf hinweisen, das ich den Lehrkräften in keinster Weise irgendetwas nachtrage oder ein Trauma erlitten hätte. Sie waren eben so, wie sie waren: Menschen wie du und ich. Frau H. war mit einem Kanadier verheiratet und hatte auch lange Zeit in Kanada gelebt; sie konnte so schöne Geschichten erzählen. Dafür habe ich sie  bewundert, geliebt und ihre Strenge ertragen.

Wenn ich das jetzt so mit meinen einfachen Worten in die Tastatur tippe, entsteht in mir ein Gefühl der Ganzheit und des liebevoll Geführtwerdens. Auch das kann ich nicht erklären. Aber vielleicht kennt das ja von euch auch jemand.

Ich komme ganz vom Thema ab. Aber mir geht es wie dem Gerald. In mir ist so eine Lebensfreude, eine Zufriedenheit und eine Glückseligkeit, die mich manchmal so übermannt, und die dann ein Ventil sucht, um den Druck abzulassen. Das ist eine derartige Energie, die dann nicht mehr zu halten ist. 

Ja, ich würde gerne Menschen sagen dürfen, wenn sie es hören möchten, wie schön doch alles ist. Leider stoße ich da schon bei der eigenen Familie an meine Grenzen. Die wundern sich nur: Warum ist der meistens so gut drauf? Und dabei ist die Botschaft ganz einfach: Gehe liebevoll mir dir selbst um, dann gehst du auch liebevoll mit allen Wesen der Schöpfung um. Vorausgesetzt, du bist nicht dem Narzissmus zugeneigt.

Irgendwann habe ich die Entdeckung gemacht, dass da etwas ist, das mich bedingungslos liebt und auf das ich jederzeit zugreifen kann. Ja, es freut sich unendlich, wenn es mir zur Seite stehen darf, egal wie ich gerade gelaunt bin. Aber es drängt sich niemals auf. Der Apostel Paulus hat es sehr treffend im Hohelied der Liebe beschrieben. In einem Brief an die Gemeinde der Korinther, glaube ich. Ich nenne es Urliebe, gepaart mit Urvertrauen.

Ich versuche einmal den Zustand zu beschreiben, so gut ich kann. Es gibt Momente von Hingabe und Lebensbejahung, in der sich mein Herz weit öffnet. Dann entsteht ein Gefühl des Verbundensein mit Allem. Zum Beispiel mit euch da draußen. Man wird über seine Begrenztheit hinausgehoben. Die Voraussetzung ist die bedingungslose Annahme seiner selbst in seiner Einzigartigkeit. Werde dir bewusst: Dich gibt es im Hier und Jetzt im Original nur einmal. Du bist ein bewusst geschaffenes einmaliges Geschenk des Lebens.

Das zu formulieren, war für mich sehr anstrengend, und deshalb brauche ich nun eine Pause.

Ihr Lieben, für diesen Text habe ich drei Stunden gebraucht und nun bin ganz gelöst und voller Freude, dass ich das so hinbekommen habe. Es ist der erste Schritt. Ob ich das noch einmal mache – ich weiß es noch nicht. Jetzt schreit in mir alles nach Hinausgehen. So wie vor 55 Jahren in der Schule. Ich habe euch von Herzen lieb.

Sollte der Gerald einmal in meiner Nähe sein und sich die Zeit nehmen können, mit mir eine kleine Weile auf der Bank bei unserer Streuobstwiese zu sitzen und einfach nur ein Leben unter Leben zu sein, ist er, oder wer auch immer, dazu ganz herzlich eingeladen.

Eine gute Zeit für euch.

Seid gesegnet.

Heribert Wenkmann

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Antworten

  1. Das ist unbeschreiblich schön und hat mich sehr berührt, sowas kannte ich seither nicht.
    Ich wurde im Leben nur abgelehnt und jetzt habe ich mit 60 erstmal so ein Glücksgefühl, eine Liebe in mir, anstatt nur Leere.
    Diese Zeilen haben mich Tief innen berührt.
    Danke lieber Heribert

  2. Lieber Heribert, denke für Deinen Beitrag. Gerade erst habe ich mich angemeldet und beim Lesen war mir, als hätte ich Dich dabei begleitet, wie Deine Gedanken sich formulierten und dann scheinbar mühelos und voller Tiefgang aus Dir heraussprudelten. Wir sind fast gleich alt und so könnte ich Dir manch Ähnliches erzählen. Ich glaube, wir sollten uns alle wieder mehr erzählen, zuhören, gemeinsam schweigen, einfach nur “sein”. In der Natur geht das sooo leicht.
    Sei gesegnet, Du wunderbares menschliches Wesen!
    Susanne

    1. Liebe Gudrun,
      man kann nur geben wenn auch genommen wird. Danke das du genommen hast
      Mit dem Nehmen entsteht wieder ein geben. Es ist die Resonanz aus deinem Herzen die wieder einen Widerhall in meinem erzeugt. So wie das Leben ein endloser Kreislauf
      von werden und vergehen.
      Ich wünsche dir ein glückliches neues Jahr.
      Sei gesegnet.
      Liebe Grüße Heribert

  3. Lieber Heribert,
    Dein Beitrag berührt mich, Deine Worte und auch Dein Mut, als “Greenhorn” hier einen für mich nachfühlbaren und bereichernden Beitrag zu schreiben.
    Auch ich bin – was die sozialen Medien und Internet betrifft – ein totales Greenhorn. Und ich habe mir vorgenommen, wenn nicht hier wo sonst, mit kleinen Versuchen zu beginnen; auch hier, erste Schritte, liebevoll.jetzt zu mir selbst zu sein.
    Diese Momente der Hingabe und Lebensbejahung von denen Du schreibst, kenne ich aus meinen Streifzügen durch die Natur. Sehr gerne bin ich im Wald unterwegs, labe mich an der Kraft und Schönheit der Bäume, die – so unterschiedlich sie auch gewachsen sind – sich so in ihrer ganzen Pracht zeigen, mir als Spiegel meiner eigenen Einzigartigkeit und einem “Anruf” eines Ja zu mir.
    Es gibt ein Gedicht von Mary Oliver “Der Sommertag” mit folgender Textpassage:
    “…Ich weiß nicht genau, was ein Gebet ist.
    Ich weiß nur, wie man aufmerksam ist, wie man hinfällt
    ins Gras hinein, wie man sich im Gras niederkniet,
    wie man müßig und gesegnet ist, wie man durch die Felder
    streunt, denn das ist es, was ich den ganzen Tag lang getan habe.
    Sage mir, was hätte ich sonst tun sollen….”
    So empfinde ich das draußen sein in der Natur als Gebet, als intensivsten Kontakt mit der Schöpfung, die auch mich geschaffen hat, die damit auch Ja zu mir sagt und Aufforderung/Erinnerung ist, Ja zu meinen Mitmenschen, zu meiner Mit-Umwelt zu sagen.
    So ist ein Streifzug durch die Natur, ein tätig sein im Garten ein permanentes liebevoll-jetzt-sein in der Welt. Und es ist mir ein Herzensanliegen, mich für den Erhalt dieser wunderbaren Natur einzusetzen, auch wenn ich noch nicht weiß, wie ich das sozusagen “intensivieren” kann.
    Das ist mein “Einstieg” hier auf dieser Plattform, den ich mit klopfendem Herzen abschicke.
    Frohe Weihnachten und
    herzliche Grüße
    Angelika

    1. Liebe Angelika,
      zuerst einmal danke für deine Nachricht auf meinen Blogeintrag. Ja und dann noch ein gutes neues Jahr für dich und deine Lieben. Bei mir dauert es manchmal etwas länger bis ich Antworte.
      Ich schaue nicht so oft nach ob mir jemand geschrieben hat.
      Es freut mich auch sehr wenn ich dein Innerstes damit angesprochen habe. Schön das du dich so öffnen kannst. Viele Menschen leiden darunter es nicht mehr zu können.
      Man muß es täglich üben. In der Stille und in der Natur findet man in sich seine eigene einmalige Schönheit wieder.
      Was du mir geschrieben hast zeigt mir das du da auf einem guten Weg bist.
      Lass dich einfach auf dieses dein Leben ein. Es wird dich dorthin tragen wo deine Talente und
      Gaben sich am Besten entfalten können.
      Ich wünsche dir viel Glück und sei gesegnet.

      Liebe Grüße
      Heribert

  4. Lieber Heribert,

    im Schreiben sehe ich Dich keinesfalls als „Greenhorn“, sondern vielmehr als erfahrenen „Westmann“. Bei mir kommen Deine Zeilen sehr fließend und wohltuend an. Ja, und Karl Mai kenne ich natürlich auch. Ich bin 42 – Jahrgang versteht sich – und habe besonders in Kindheit und Jugend seine Bücher geliebt, allein schon in ihrer äußeren typischen Gestalt. Karl May erkennt man. Kürzlich habe ich wieder vermehrt in seinen Büchern gelesen. Ich hatte das Glück, dass mir ein noch älterer Herr seine vollständige Karl-Mai-Sammlung geschenkt hat, ca. 75 Bände. Da habe ich mir dann öfters einen Band herausgegriffen und mich darin vertieft, immer wieder erstaunt über seine Darstellungskunst und Phantasie – denn er war ja real nie „dort“, jedenfalls nicht zurzeit, da er seine Reiseberichte schrieb. Mich hat es dann gelockt, mehr über den Menschen Karl May zu erfahren und habe eine sehr lesenswerte Biografie geschenkt bekommen, die der Karl-Mai-Kenner, Schriftsteller und Publizist Christian Heermann verfasst hat. Das Buch strahlt sehr viel Respekt und sehr viel Liebe für Karl Mai aus, dem es nicht vergönnt war, in seinem Leben unmittelbar den gerade Weg zu nehmen.
    Für mich hat das Schreiben in Form des Tagebuchschreibens eine ganz besondere und geradezu heilsame Bedeutung gewonnen. Da werde ich später mit etwas Zeit mal einen eigenen Bericht darüber auf Liebevoll.Jetzt schreiben.

    Mit herzlichen Grüßen
    Heion Pick

    1. Lieber Heion,
      bitte verzeih mir das ich dir erst jetzt antworte. Aber ich muß zugeben ich habe manchmal immer noch Probleme mit der Handhabe dieser Seite. Ich will aber damit nicht sagen das es an den Gestaltern der Seite liegt. Es ist schon eher so das ich zu wenig damit befasse. Da ich viel draußen unterwegs bin fehlt mir am Abend meist die Zeit dem PC die nötige Aufmerksamkeit
      zu widmen. Ich sag es mal so ich bin dann einfach zu müde um all das was da so angekommen ist noch und zu beantworten. Ich brauche da einfach die Muse dazu.
      Aber nichts desto trotz habe ich mich über deine Antwort gefreut. Jetzt habe ich einen profunden Karl May Kenner an meiner Seite.
      Ich wünsche dir und deinen Lieben frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.
      Liebe Grüße Heribert

      1. Lieber Heribert,

        vielen Dank! Auch ich wünsche Dir eine frohe Zeit und ein gutes neues Jahr!

        Ach ja, und gestern Abend habe ich seit langem mal wieder ins Karl-May-Regal gegriffen und hatte DER SCHUT in der Hand. War spannend. Allein schon die gesellschaftlichen und landschaftlichen Beschreibungen sind genial, wenn man bedenkt, dass er dort „nur“ in seinen Fantasien war. Ich finde seinen Doktortitel, den er sich selbst zugeschrieben hat, in höchstem Maße verdient.

        Liebe Grüße von Heion

    1. Hallo Ursula,

      …ich bin “ganz neu” hier. Bin nun erst wenige Minuten, das erste mal angemeldet und habe mir gerade einen Erfahrungsbericht angesehen.
      … nun ganz unten wird nun ein Foto mit Text von dir “Lieber Heribert, deine Worte berühren mich sehr und ja, so geht es mir auch….Ursula” eingeblendet?
      … ich kenne mich hier noch nicht aus… Verwundert bin ich schon, dass diese Nachricht nur hier unter diesem einen Erfahrungsbericht erscheint??

      In meinem Posteingang ist jedoch keine Nachrricht?

      Ein Systemfehler oder gar hacker???

      Liebe Grüße Herbert

    2. Liebe Ursula,

      wie schön das du dich mit mir freust. Das macht mir Mut vielleicht wieder einmal etwas aus der Tiefe meines Herzens hinaus zu senden.
      Eigentlich tue ich das täglich, wenn ich Morgens Barfuß in unseren Garten gehe. Dort steht ein großer Walnussbaum er ist mir in den Jahren zum Freund geworden. Ich nehme ihn jedes mal in die Arme und freue mich mit ihm auf den Tag. Mit ausgestreckten Armen zum Himmel sende ich Segens grüße an alle Wesen der Schöpfung. Wenn man das über Jahre hinweg tut verändert das die Sichtweise auf alle Dinge. Achtsamkeit entwickelt sich mehr und mehr für die Natur und es wird dir bewusst woher du kommst und wohin du gehst. Es ist als würde ich jeden Morgen heilige Erde betreten. Ich fühle über die Füße die Jahreszeiten die Mutter Erde Jahr für Jahr durchläuft. Mich macht das Demütig, Dankbar und schenkt mir Inneren Frieden.
      All das wünsche ich dir Herzen.
      Es wäre schön wenn du mir ein wenig von dir erzählen würdest.

      Liebe Grüße Heribert