Ein Erfahrungsbericht über Trauma- und Innere-Kind-Heilung durch Selbstliebe

Aufgewachsen in einer Sekte erlebte ich eine traumatische Kindheit mit Gewalt auf
körperlicher, psycho-emotionaler und sexueller Ebene, bis ich mich mit 14 Jahren aus der Sekte
ausschließen ließ und somit alles verlor – meine Familie, meine Freunde, mein ganzes
bisheriges Leben. In der Folge bekam ich Panikattacken, eine generalisierte Angststörung,
Depressionen, posttraumatische Belastungsstörung, psychosomatische Beschwerden,
Bandscheibenvorfälle in der LWS und HWS, ich erlitt einen schweren Autounfall und hatte
Gebärmutterhalskrebs. Nachdem sich meine Schwester gemeinsam mit ihrem Sohn 2015
das Leben nahm, brach mein System komplett zusammen und ich machte mit aggressiven
Zwangsgedanken Bekanntschaft und hatte keine Kraft mehr zu leben. Dies war
gleichzeitig die schlimmste, aber auch die wundervollste Zeit in meinem Leben, denn ab
diesem Zeitpunkt verwandelte ich mich und mein komplettes Leben, indem ich anfing,
mich selbst zu lieben.
 
Der Tiefpunkt in meinem Leben
 
2015 hatte ich den Tiefpunkt in meinem Leben erreicht. Der erweiterte Suizid meiner
Schwester, gemeinsam mit ihrem Sohn, zog mir den Boden unter den Füßen weg. Meine
Kindheit in einer Sekte mit körperlicher und emotional/seelischer Gewalt legte den
Grundstock für meine späteren psychischen Erkrankungen. Ständig hatte ich Angst vor
dem drohenden Tod.
Mein Vater Alkoholiker, meine Mutter selbst depressiv, meine Schwester bereits in der
Jugendzeit suizidal und mein Bruder – eine eigene Geschichte für sich. Seit ich denken
kann, war mein Leben von Ängsten, Unsicherheit und der Furcht zu sterben, geprägt.
Mit meinem Ausschluss aus der Sekte im Jugendalter war ich von heute auf morgen auf
mich allein gestellt. Niemand redete mehr mit mir. Selbst meine Eltern haben bis heute
keinen Kontakt mehr zu mir.
Zu dieser Zeit hatte ich zum ersten Mal Panikattacken. Sie steigerten sich im Laufe der
Jahre zu einer generalisierten Angststörung mit Todesangst. Im weiteren Verlauf gesellten
sich depressive Phasen hinzu.
 
Das Leben war für mich schwer, anstrengend, voller Leid.
Etwas, dass ich ertragen und aushalten muss,
aber nichts, das Spaß macht.
2014, im Alter von 34 Jahren, war ich meines Lebens im wahrsten Sinne des Wortes
müde. Ich hatte einen schweren Autounfall. Ich schlief bei 150 km/h auf der Autobahn ein.
Geht es noch lebensmüder? Wie durch ein Wunder überlebte ich, entkam knapp der
Querschnittslähmung und kam mit einem gebrochenen Lendenwirbel davon.
Doch auch das reichte noch nicht aus, um mich wachzurütteln. Dazu brauchte es die ganz
große Erschütterung im Jahr 2015. In der Nacht, in der meine Schwester sich mit ihrem
Sohn das Leben nahm, begannen meine aggressiven Zwangsgedanken. 24 Stunden rund
um die Uhr immer wieder dieselben Gedanken: „Ich muss mich umbringen.“ Und die
überwältigende Angst, jemand anderen eventuell aus Versehen umgebracht zu haben.
 
Die glückliche Wendung meiner Geschichte
 
Manchmal muss ein System erst komplett zusammenbrechen,
damit es sich völlig neu finden, neu sortieren
und neu aufbauen kann.
Alles hat sich verändert, nichts ist mehr so, wie es vorher einmal war – und das ist
auch gut so. Damals habe ich das natürlich nicht so gesehen. Viel zu tief steckte ich in
meinen erlebten Traumata, meiner Trauer und meinen Emotionen fest. Ich bin von Grund auf, ein lebensfroher, optimistischer Mensch und sage „Ja“ zum Leben.
Das war auch der erste Schritt in Richtung Heilung: Die bewusste Entscheidung:
 
Ja, ich will.
Ja, ich will leben.
Ja, ich will wieder glücklich sein.
Ja, ich bin bereit zu heilen und zu lernen, mich selbst zu lieben.
In dem Moment, in dem wir Ja zu uns selbst, zum Leben und zur Veränderung sagen,
übernehmen wir automatisch die Verantwortung für unsere Situation, unsere Krankheit
und somit auch für unseren Weg der Heilung. Wir sind nicht länger im Opfermodus oder
darauf angewiesen, von jemandem im Außen geheilt zu werden, ganz nach dem Motto:
„wenn xyz sich anders verhält“ oder „wenn dieses oder jenes anders wäre, dann könnte
ich endlich gesund, glücklich und in Frieden sein“. 
Mit dem Ja zur Heilung holen wir uns die Macht in unser Leben zurück, selbst etwas zu verändern. Und das fühlt sich großartig an.
 
Was mir auf meinem Heilungsweg geholfen hat
 
Die Meditation war für mich das größte Heilungsgeschenk, denn dort fand ich eines Tages
„per Zufall“ mein Inneres Kind. Ich war zutiefst erschüttert, als ich feststellte, dass dieses
wundervolle kleine Wesen, das fast im Meer ertrunken und nun leblos am Strand lag,
mehr tot als lebendig, ich selbst bin.
 
Als mir dies bewusst wurde, gab ich meinem Inneren Kind ein Versprechen:
 
Ich verspreche dir, dich nie wieder im Stich zu lassen.
Es tut mir leid, dass ich mich all die Jahre nicht um dich gekümmert habe.
Es tut mir leid, dich so lange nicht gehört und gesehen zu haben.

Bitte verzeih mir.

Ich werde von nun an immer an deiner Seite sein und auf dich Acht geben.

Du musst nie wieder Angst haben, du bist nicht mehr alleine, denn jetzt bin
ich da 
um dich zu beschützen.

ES TUT MIR LEID. ES IST NICHT DEINE SCHULD. ICH LIEBE DICH.

Als ich anfing, mit meinem Inneren Kind in Kontakt zu treten, verstand ich jeden Tag ein
bisschen mehr, dass all mein emotionales und seelisches Leid seine Wurzel in der
Kindheit hatte. Nie hatte ich gelernt mit meinen Ängsten, meiner Wut und allen anderen
Emotionen umzugehen. Nie hatte ich gelernt, meine Bedürfnisse, die hinter diesen
Gefühlen stecken, wahrzunehmen. Nie hatte ich gelernt, liebevoll mit mir selbst zu sein.
Ich begann, mir selbst in einer gnädigen, verständnisvollen, mitfühlenden und wertfreien
Weise zu begegnen, fing an, mich selbst zu lieben und heilte so mein Inneres Kind Schritt
für Schritt. Endlich bekam ich den Schutz, die Geborgenheit, die Fürsorge, die Sicherheit,
das Vertrauen und die bedingungslose Liebe, nach denen ich mich mein Leben lang
sehnte. Nun muss ich, bzw. mein Inneres Kind, nicht mehr an dem schrecklichen Ort der
Erinnerungen aus der Vergangenheit verweilen. Es ist vorbei. Ich habe es geschafft. Ich
lebe. Und ich bin nie wieder alleine, denn jetzt habe ich mich.
 
Hinterfrage deine Glaubenssätze und Überzeugungen
 
Die größten Hindernisse für ein glückliches Leben sind Konzepte wie Angst, Groll, Kritik
und Schuld. Unsere Sicht auf uns selbst und das Leben wird in frühester Kindheit geprägt
und häufig hinterfragen wir diese, oft negative Sicht, nicht mehr.
 
Dazu ein Beispiel:
Ich hatte aufgrund meiner gewaltvollen Erfahrungen in der Kindheit die Überzeugung,
dass Wut eine Emotion ist, die am besten gar nicht da sein sollte und schon gar nicht in
mir. Die Glaubenssätze, immer lieb, brav und nett sein zu müssen, niemals aufzubegehren
oder gar eigene Bedürfnisse anzumelden, waren seit frühesten Kindheitstagen in mir
verwurzelt.
Doch nach dem erweitertem Suizid meiner Schwester waren plötzlich die aggressiven
Zwangsgedanken da. Immer, wenn ich Ja sagte, obwohl ich Nein meinte, immer, wenn ich
mal wieder ohne zu murren meine Grenzen von anderen überschreiten ließ, immer, wenn
ich mir selbst nicht treu blieb und nicht für mich einstand, immer dann tauchten die
aggressiven Zwangsgedanken auf.
Die Wut in mir, die ich mein Leben lang erfolgreich unterdrückt hatte, suchte sich nun ihren
Weg, um sich im wahrsten Sinne des Wortes Gehör zu verschaffen. Das, was ich nicht
fühlen wollte, musste ich in meinem Kopf, in Form von aggressiven Zwangsgedanken,
hören.
 
Erst als ich mir selbst erlaubte, dass alles da sein darf und jedes meiner
Gefühle eine Daseinsberechtigung hatte, konnte ich das Bedürfnis, das in

Wahrheit hinter meiner Wut und meiner Angst stand, erkennen und stillen.

Ich begann Nein zu sagen, wenn ich Nein meinte. Ich sagte Ja, wenn ich Ja
sagen wollte. Ich lernte mich und meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und mich
liebevoll für mich selbst einzusetzen.
Im gleichen Zuge verschwanden meine aggressiven Zwangsgedanken. Sie lösten sich
auf, da ich meine Wut akzeptierte und anfing, sie konstruktiv zu nutzen, indem ich liebevoll
für mich selbst einstehe und mir selbst treu bin.
 
Meine Krankheit – Mein größtes Geschenk
 
Inzwischen bin ich in der glücklichen Lage, alle meine Erfahrungen – und damit meine ich
wirklich A L L E – positiv zu bewerten. Manchmal muss man erst durch das tiefste Tal
gehen, wenn man den Gipfel erklimmen möchte. Alles, was es dazu braucht, ist die
Bereitschaft, sich den eigenen „Dämonen“ zu stellen und zu verstehen, warum sie da sind.
Keine Krankheit ist jemals gegen dich oder versucht, dir das Leben schwer zu machen.
Ganz im Gegenteil. Jede Krankheit und jedes Symptom ist in Wahrheit ein Geschenk. Ein
Versuch deiner Seele, auf eine innere Dysbalance aufmerksam zu machen, um zu heilen.
Ich bin unendlich dankbar, all diese Erfahrungen in meinem Leben gemacht zu haben,
denn heute kann ich als Heilpraktikerin und Innere-Kind-Therapeutin viele andere
Menschen auf ihrem Heilungsweg begleiten, gerade weil ich diese Erfahrungen in meinem
Leben gemacht habe und selbst den Weg der Selbstheilung durch Selbstliebe gegangen
bin.
 
Meine wertvollsten Erkenntnisse
 
Für mich waren der Verlust meiner Eltern, der Kontaktabbruch und die erlebte Lieblosigkeit
in meiner Kindheit, nur schwer auszuhalten. Der Kummer, die Trauer, die
Hoffnungslosigkeit und der Schmerz in mir wuchsen bis ins Unendliche. Doch als ich
anfing mich selbst zu lieben, erlebte ich in mir die liebevolle Verbundenheit mit „allem was
ist“. Der Zugang zur Spiritualität und die Öffnung meines Herzens, öffneten mir gleichzeitig
auch das Bewusstsein dafür, dass ich auf immer und ewig mit allem liebevoll verbunden
bin, auch wenn es in der äußeren, manifesten Welt vielleicht nicht den Anschein haben
mag.
 
Im ALLEIN-SEIN fand ich das ALL-EIN-SEIN.
(Selbst-)Vergebung, (Selbst-)Bewusstwerdung, (Selbst-)Vertrauen und (Selbst-)Liebe
halfen mir, Frieden mit allem zu schließen und mich selbst zu befreien. Umso liebevoller
ich mit mir selbst im Kontakt war, umso mehr Mut hatte ich, meinen eigenen Weg zu
gehen, mir selbst zu vergeben, verständnisvoll mit mir selbst zu sein, meine eigene
Wahrheit zu sprechen, mich selbst liebevoll zu beschützen, Grenzen zu setzen und mich
der Welt so zu zeigen, wie ich bin. Wir alle geben immer unser Bestes und machen es so gut, wie wir nur können.
Inzwischen arbeite ich nicht nur in meiner Praxis als Heilpraktikerin, sondern auch online
als Coach, schreibe Blogartikel rund um die Themen Selbstliebe, Inneres Kind, Spiritualität
und Selbstheilung, halte Vorträge, gebe Workshops und 2020 habe ich das
Onlineprogramm „Love Your Inner Child“ ins Leben gerufen.
Mein Anliegen ist es, den Menschen Mut zu machen und den vielen verletzten und
vergessenen Inneren Kindern der Welt eine Stimme zu geben. Ich teile meine
Erkenntnisse, um Menschen in ähnlichen Situationen ein Hoffnungsschimmer und
Motivation zu sein, denn dann war all das, was ich erlebte, nicht umsonst.
 
Ganz egal woher du kommst,
was auch immer du erlebt haben magst,
oder was was auch immer du glaubst:
Es ist nie zu spät anzufangen, dich selbst zu lieben!
Es ist an dir, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und zum Guten zu wenden. Wenn
ich das geschafft habe, kannst Du es auch. Starte die schönste Reise, die es gibt: Die
Reise zu dir selbst.
 
Alles ist gut. Alles darf sein. DU darfst GANZ EINFACH SEIN.
 
Heilung beginnt, wenn die Liebe in dir erwacht.
 
Alles Liebe,
Cora
 

Kontaktmöglichkeit
Cora von der Heyden, geb. 1979
Heilpraktikerin & Innere-Kind-Therapeutin
mail@coravonderheyden.de
www.coravonderheyden.de

11 thoughts on “Heilung beginnt, wenn die Liebe in dir erwacht

  1. Liebe Cora,
    Danke für deinen Beitrag! Ich hatte nicht so schlimme Erlebnisse in meiner Kindheit. Und trotzdem gab es in meinem Leben auch so eine Wende wie du sie beschreibst!
    Irgendwann bei einem Selbsterfahrungsseminar kam ich drauf, dass er mir auch sehr an Selbstliebe mangelt und all meine Probleme darauf zurückzuführen sind.
    Ich dachte: das leben liebt mich nicht!
    Diese Erkentnis war für mich so dermaßen schockierend:
    In der darauffolgenden Nacht machte ich eine spirituelle Erfahrung… von irgend etwas wurde ich geweckt und es zog mich früh morgens hinaus in die Natur…. was ich dann erlebte kann ich fast nicht in Worte fassen: ich erlebte zum 1.mal “so richtig” einen Sonnenaufgang und es war unbeschreiblich – ich habe gespürt – die Liebe die es bedeutet, dass für uns alle!!!! Jeden Tag die Sonne aufgeht! Das war die große Wende in meinem Leben!
    Jaaaa für uns alle geht jeden Tag die Sonne auf und das Leben liebt uns!!
    Von da an begann ich mich mehr und mehr für mich selbst zu sorgen! Und das ist ein wunderschöner Weg!!

    1. Liebe Bettina,
      vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrung. So schön 🙂 Ja, die Sonne geht für uns alle immer wieder auf und das Leben ist ein Geschenk, für das wir immer dankbar sein dürfen. Das ist nicht die Sonne die untergeht, sondern die Erde, die sich weiterdreht…
      Alles Liebe,
      Cora

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