Ich hatte großes Glück mit meinen Eltern, denn sie haben mich so sein lassen, wie ich war.
Damit meine ich nicht, dass ich alles erlaubt bekommen hätte und es keinen Streit und
Meinungsverschiedenheiten gegeben hätte. Auch nicht, dass ich niemals Strafen bekommen
hätte oder nie mit mir geschimpft worden wäre. Was ich damit meine, ist, dass ich keine
Vorgaben bekommen habe, was ich wissen oder können muss, keinen Druck, gute Noten
nach Hause bringen zu müssen, es keine Ansprüche darüber gab, ob ich ein Instrument
lernen oder eine Sportart betreiben sollte und freie Entscheidung darüber hatte, wann ich ein
Hobby aufgeben wollte. In dem Sinne hatte ich wirklich alle Freiheiten, mich auszuprobieren
und zu entfalten, und ich wurde so angenommen, wie ich bin. Das Leben schien schön,
alle Möglichkeiten standen mir offen und ich spürte einen inneren Frieden in mir.

Die ersten hinderlichen Glaubenssätze

Als Teenager bekam ich jedoch immer häufiger den Eindruck, dass es im Leben offenbar
darum geht, immer in Konkurrenz zu den anderen zu stehen und immer ein bisschen besser
da zu stehen. Alles wird beurteilt, bewertet, eingeordnet. Zudem hatte ich das Gefühl,
dass viele Menschen, wenn sie sich unterhielten, den Fokus stets auf die negativen Dinge
legten, immer schauten, was fehlt noch, was ist noch nicht perfekt, und sich nur wenig über
die schönen Dinge im Leben austauschten. Mir kam es so vor, als ob meine Ansichten, dass
jeder Mensch, egal was er leistet oder wie er ist, gleich wertvoll ist und dass das Leben
voller Schönheit und Leichtigkeit ist, falsch sein müssen, also sprach ich diese Ansichten
nicht aus, sondern ließ sie in meinem Inneren zurück.
Ich vertraute meiner inneren Stimme nicht und entfernte mich mit den Jahren immer
weiter von mir selbst, ging davon aus, dass die anderen das Leben richtig verstanden
haben müssten und ich bei diesem Spiel mitmachen sollte, wenn ich gemocht werden
und “dabei” sein wollte. Und dass es eben normal sei, nach Leistung bemessen zu
werden und ständig rumzumeckern, weil im Leben einfach nicht alles nach Plan läuft und
ebenso dass es normal sei, Menschen, die anders denken, auszuschließen oder über sie zu
reden, denn sie sind ja nicht “normal”. Also schloss ich auch mich selbst, mein wahres Ich
aus.
Als junge Erwachsene war es mir noch immer wichtig, “dazu zu gehören”, statt wirklich zu
mir und meinen Bedürfnissen zu stehen, und so schuf ich mir im Job das Image, eine
schnelle, fleißige und multitasking-fähige Mitarbeiterin zu sein, die gut in einem High
Performer Umfeld mithalten kann: vieles auf einmal – statt eins nach dem anderen – alles
schnell schnell schnell – statt in meinem Tempo und viel, viel, viel – statt so viel zu
übernehmen, wie ich es in einem annehmbaren Zeitrahmen hätte schaffen können. Doch
gegen mein eigenes Inneres zu arbeiten, erzeugte in mir Stress und schlug sich auf
meinen Körper aus: Rückenprobleme, Migräne und Erschöpfungszustände gehörten
zum Alltag.

Als ich alles erreicht hatte und dennoch etwas fehlte

Als ich Mama wurde, genoss ich die Zeit zu Hause mit meiner Familie, aber nach nur einem
Jahr hieß es für mich, wieder in Teilzeit in den Job einzusteigen. Damit war das innere
Chaos vorprogrammiert: Ich hatte das Gefühl, ich müsse überall performen, zeigen, wie
toll ich beides schaffte, verglich mich im Job mit den Mamas, die deutlich mehr
Stunden als ich arbeiteten, und zu Hause mit den Mamas, die deutlich mehr Zeit für
ihre Kinder hatten. Und obwohl mir vernunftmäßig natürlich klar war, dass ich mich nicht
vergleichen sollte, tat mein innerer Kritiker den lieben langen Tag nichts anderes, suchte
nach Verbesserungsmöglichkeiten und haderte mit meinen Entscheidungen.
Meine Gedanken schwebten in der Vergangenheit, um aufzuarbeiten, was ich hätte
anders machen können, und in der Zukunft, damit nichts vergessen wird und ich alles
noch besser machen kann. Im Hier und Jetzt sein und das Leben mit meiner Familie
wirklich genießen zu können, so wie ich mir das immer vorgestellt hatte, schien mir einfach
nicht möglich. Und das obwohl ich “nur” in Teilzeit arbeitete und obwohl mich sowohl mein
Mann als auch die Großeltern tatkräftig unterstützten.
Ich drehte mich mit meinen Gedanken im Kreis. Hatten also die stets negativ sprechenden
Menschen tatsächlich recht? Selbst jetzt, wo ich doch alles hatte, was ich mir jemals
gewünscht hatte, konnte ich es einfach nicht genießen. Doch etwas in mir wollte das
nicht akzeptieren. Ich hatte das Gefühl, dass es so wirklich nicht weitergehen konnte. Aber
wie sollte ich aus diesem Hamsterrad ausbrechen? Ich hatte ja keine Zeit!

Der erste Schritt zurück zum inneren Frieden

Da lag schon der erste Denkfehler. Wie schon ein altes japanisches Sprichwort sagt: “Wenn
du es eilig hast, geh langsam. Wenn du es noch eiliger hast, mach einen Umweg.”
Und dann – eines Tages beherzigte ich den liebevollen Rat meines Mannes und stieg
einmal nicht ins Auto, um eilig zum Fitnessstudio zu fahren und dort mein 20-MinutenProgramm schnellstmöglich zu absolvieren, sondern ich lief. Zu Fuß dauerte der einfache
Weg schon 20 Minuten, was mich natürlich zunächst nervös machte, weil mir dadurch ja “so
viel Zeit verloren gehen würde”. Aber diese 40 Minuten an der frischen Luft sollten für mich
der erste Schritt meiner Reise zurück zu mir selbst werden.
Ich fing von nun an, öfter zu gehen, auch ohne Ziel, einfach am Feld spazieren zu
gehen, und kam so Stück für Stück immer ein bisschen mehr in die Gelassenheit und
heraus aus dem Gedankenkarussell. Ich begann, mich zu strukturieren, und machte mir
Pläne. Somit schaffte ich mir ein bisschen mehr Zeit für mich und meine Familie, für die
Dinge, die mir wirklich wichtig waren.
Dann kam Corona und brachte für mich ein weiteres Stück Freiheit. Ich musste nicht mehr
jeden Tag 2 Stunden im Auto verbringen, um zur Arbeit und zurück zu kommen, sondern
konnte meine Arbeit problemlos von zu Hause aus erledigen. Im Gegensatz zum Großteil
meines Umfeldes empfand ich den Lockdown als wahren Segen, ich musste nirgendwo
mehr hin, konnte endlich viel mehr Zeit mit meiner Familie genießen und konnte mich weiter
um meinen Weg aus dem Hamsterrad hin zu mir selbst kümmern. Nach und nach ging es
mir merklich besser. Ich hatte mehr Energie.

Meine persönlichen Essentials für mehr Wohlbefinden und Energie:

1. Sich mehr Zeit für Bücher und das Schmökern nehmen. Dabei las ich Bücher,
die mir weiterhalfen, mich zu verstehen und zu akzeptieren, und die Mut machten.

2. Meditation und Achtsamkeitsübungen in den Alltag einbauen. Beides half mir,
meine innere Ruhe zu finden, und beruhigte mein Gedankenkarussell.

3. Podcasts und Vorträge aus den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung,
Philosophie, Psychologie und Selbstmanagement hören und schauen. Durch
die dort gezeigten Übungen wurde ich mir immer mehr über meine wahren Werte
und über meine hinderlichen Glaubenssätze bewusst.

4. An Trainings und Webinaren teilnehmen, die mir halfen, Resilienz aufzubauen
und ein positives Mindset zu erhalten.

5. Journaling in die wöchentlichen Routinen einbauen. Damit wurde ich mir immer
mehr über meine Bedürfnisse und mein wahres Selbst sowie über meine Fortschritte
bewusst.

Durch all diese Maßnahmen schaffte ich es nun immer häufiger, in meiner positiven
Einstellung zu bleiben, auch wenn es so schien, als ob der Rest der Welt noch mehr als je
zuvor am Rumnörgeln war. Ich machte kleine, aber beständige Schritte nach vorne, immer
ein Stück näher zu mir selbst, mit dem großen Ziel, eines Tages vollkommen gelassen zu
sein und meinen inneren Frieden wieder zu spüren.

Warum ich noch immer nicht angekommen war

Doch irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem ich mich fragte, warum es mir zwar
besser geht, aber ich noch immer nicht den wirklichen inneren Frieden spürte, obwohl ich
doch nun so viel getan hatte, um mehr nach meinen eigenen Bedürfnissen zu leben. Um
auch dies für mich noch herauszufinden, half mir eine Trigeminus Neuralgie, die mich für ein
paar Wochen aus dem Verkehr zog. Durch die extremen Schmerzen in Gesicht und Kopf
blieb mir nichts anderes übrig, als mir wirkliche Ruhe, komplette Ruhe zu gönnen, und somit
lag ich Tag für Tag auf meinem Sofa und sinnierte weiter über das Leben. Zunächst war ich
enttäuscht, da ich doch auf einem so guten Weg gewesen war und nicht nur mental,
sondern auch körperlich bereits viele Verbesserungen gespürt hatte, seit ich begonnen
hatte, mehr nach Innen zu schauen.
Doch dann kam es mir Stück für Stück ins Bewusstsein: Ich war noch immer nicht bereit
gewesen, wirklich ganz ehrlich und wohlwollend zu mir selbst zu sein und meine eigenen
Bedürfnisse als für mich richtig anzuerkennen.

Meine 3 persönlichen Aufwach-Erkenntnisse:

1. Ich war stolz auf all meine Erkenntnisse, Trainings und Bücher und schrieb mir in
meinem Erfolgsjournal auf, wie weit ich gekommen war. Was ich dabei nicht gemerkt
hatte: Ich hatte dabei noch immer den inneren Antrieb, ich muss etwas
beweisen, etwas leisten, etwas zeigen. Doch wem? Das Journal las nur ich und
den Menschen, die mir wichtig waren, war egal, was ich alles machte, ihnen war nur
wichtig, dass es mir gut ging.

2. Ich hatte das innerliche Bedürfnis, dass die Welt da draußen mich verstehen
und bestätigen sollte. Verstehen sollte, warum ich so viel Zeit in mich selbst
investiert hatte und mir bestätigen, dass dies der richtige Weg sei. Doch wer sollte
mir das denn bestätigen und warum?

3. Ich hatte nun mein Leben so ausgerichtet, wie ich es mir vorgestellt hatte, mit einem
guten Mix aus Familie, Haushalt, Arbeit und Zeit für mich. Aber was ich nicht
gemerkt hatte, war, dass ich noch immer am Rennen war und nun versuchte,
all die schönen Dinge in einem 24-Stunden-Tag unterzubekommen und mir
somit gar nicht die Zeit nahm, das Leben einfach mal fließen zu lassen und das Hier
und Jetzt zu genießen.

Mir wurde also bewusst, dass nur ich selbst mir die Erlaubnis geben kann, glücklich und
zufrieden zu sein. Nur ich selbst kann mir erlauben, mein Leben so zu leben, wie es für mich
stimmig ist und nur ich selbst kann mir auch erlauben, die Dinge langsam, eins nach dem
anderen anzugehen und einfach einmal zu genießen. Niemand und Nichts im Außen kann
mir die Erlaubnis oder Bestätigung dafür geben, was für mich der richtige Weg ist.
Mit dieser Erkenntnis kam auch der innere Frieden zurück. Erst dann fing ich an, eine
innere Stärke zu fühlen, erst dann merkte ich, dass gar nichts Schlimmes passiert, wenn ich
mir erlaube, ich selbst zu sein und die Dinge in meinem Tempo anzugehen oder etwas
einfach mal sein zu lassen. Erst dann merkte ich auch, dass es nicht nur mir selbst, sondern
auch den anderen guttut, wenn ich freundlich zu mir selbst bin und zwar ehrlichen Herzens
freundlich zu mir selbst. Dass niemand anderes mir das Gefühl geben kann, dass ich
wertvoll bin, so wie ich bin, sondern dass nur ich mir alleine die Erlaubnis dafür
geben kann.

Meine persönliche Friedensformel, dir mir letztendlich geholfen hat, wieder zum
inneren Frieden zu finden:

1. Loslassen von der Vorstellung, jemand anderes müsse mir bestätigen, dass ich
gut bin, wie ich bin.

2. Den Wunsch ablegen, dass andere sich ändern oder etwas tun sollten, damit
ich mich bestätigt fühle.

3. Mich so akzeptieren, wie ich bin und somit nicht mehr so streng mit mir selbst
sein, ohne darüber nachzudenken, was andere über mich, meine Worte oder Taten
denken könnten.

4. Aufhören mich zu vergleichen und nur noch danach zu schauen, was wirklich für
mich wichtig ist und zu mir passt.

5. Davon ausgehen, dass jeder stets sein Bestes gibt und auch das Beste für mich
will und somit dem anderen viel wohlgesonnener gegenübertreten.

6. Mir erlauben glücklich zu sein, ohne etwas Bestimmtes erreicht haben zu müssen.

7. Fest daran glauben, dass alles so ist, wie es sein soll, und nicht immer mehr
gemacht werden muss.

8. Darauf vertrauen, dass ich selbst immer am besten für mich weiß, was für mich
das Richtige ist, und dass genauso jeder andere ebenso für sich selbst am besten
weiß, was für ihn das Richtige ist.

Um meine Erfahrungen für mich zusammenzufassen, aber auch um anderen Mut zu
machen und etwas mehr Freude und Leichtigkeit in die Welt zu bringen, habe ich meinen
Blog www.lookinsideyourself.de ins Leben gerufen. Mit dem Blog verfolge ich kein
bestimmtes Ziel, sondern erlaube mir tatsächlich, einmal das zu tun, was ich liebe, nämlich
meine alte Leidenschaft für Grafik- und Webdesign wieder aufflammen zu lassen in
Kombination mit den Themen Persönlichkeits- und Selbstentwicklung, die mir am Herzen
liegen, und außerdem einfach das zu tun, was wirklich gerade JETZT aus meinem tiefsten
Inneren kommt, ohne dass es zu irgendetwas führen muss.

liebevoll.jetzt danke ich dafür, meine Geschichte hier teilen zu dürfen, und hoffe, dass sie
dem ein oder anderen Mut machen kann, den Weg nach Innen zu beschreiten. Mit vielen
negativen Nachrichten da draußen ist eine Plattform wie liebevoll.jetzt unglaublich wertvoll,
um den Fokus auf das Gute zu richten und Hoffnung zu machen, dass es sich lohnt, sich
selbst und andere liebevoll und würdevoll zu behandeln und selbst die Veränderung zu sein,
die man in der Welt sehen will. Vielen Dank dafür.

Bianca Schenk

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